Mein Gott Walter

Am XX.XX.XXXX [Anm. d. Red.: Datum noch eintragen] starb der Wal Walter nach langer schwerer Krankheit an einer Überdosis Fürsorge. Er war in großer Not nach Deutschland geflüchtet, wurde aber erst nach einem Gutachten nicht gerettet. Seine sterblichen Überreste gehen hälftig an die Fischgaststätte "Gastmahl für Schweres" in Sassnitz, den Rüganer und Ozeanretter Stephan Goldammer, das VEB-Kombinat "Fischreste zu Pflugscharen", den Influencer Robbe Mirko Stehmann und die Aufsichtsbehörde für wissenschaftliche Gutachten in Stralsund (Motto: "Das Gutachten, das Gutachten, ja das Gutachten hat immer recht"). Nach Absingen der Internationalen Walhymne "Klick, Klack, Klack, Klack, Klick" folgt nun sein Nachruf. Fehlende Daten aus seiner Wal-Biographie wurden nach intensiver Denkarbeit durch die Phantasie des Autors ergänzt.

Sein Leben war lang aber kurz. Nach 100 Runden um die Erde steuerte Wal Walter die deutsche Küste an. Wenn schon sterben, dann im Land wo Plankton und Krill fließen (in den Ozeanen gab es nur noch Plastikmüll und biologisch nicht abbaubare Fischernetze). Er legte sich gemütlich an den Strand und genoss die Frühlingssonne. Dann kamen die Journalisten. BILD sprach zuerst mit dem Wal. Danach die Gutachter. Diese stellten nur noch seinen baldigen Tod fest. "Das sind alles nur Todeszuckungen." Daraufhin bestellte man einen Grabstein (Größe 10 x 10 x 10 m). Walfotograf Robbe Mirko Stehmann reiste an, machte seine Selfis, klopfte dem Wal auf die Schulter und reiste als beleidigte Leberwurst mit Schinken wieder ab. Zum Abschied rief er noch: "Wer im Backhaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!". Nachdem der Tod des Wals gutachterlich endgültig festgestellt wurde, schwamm dieser von Timmendorf nach Wismar in die bald blühenden Landschaften.

Endlich im Osten! Wismar war zwar nicht New York, aber wenigsten hatte man in dieser verlassenen Einöde seine Ruhe. Nur drei Arbeitslose und ein Gutachter winkten vom Ufer. Die Journalisten durchbrachen den Absperrzaun und fragten den Gutachter, wieso denn der Wal noch lebe? Leise und unauffällig lies dieser daraufhin das 400-seitige Gutachten vom Bootssteg ins Wasser gleiten. "Hier hat es nie ein Gutachten gegeben! Ich bin ein Mann/Frau/Divers der Wissenschaft! Die Wissenschaft bin ich!" Die Journalisten wendeten sich vom Sonnenkönig von Stralsund ab, und sahen, dass ein paar Freiwillige schon naturgesetzwidrig dem Wal zur Hilfe eilten. Wenn der Wal schon durch menschengemachten Fischernetzmüll verendet, dann darf man ihn auch menschengemacht retten. Die Natur, in die man nicht eingreifen soll, die gibt es nicht mehr. Einem Albatros mit Plastikmüll im Magen sollte man helfen, da er nicht "natürlich" bzw. "in der Natur" stirbt. Er stirbt an menscheninduziertem Müll. Aber wie soll man genau helfen?

Um die Antwort auf die große Frage zu bekommen, gingen alle zur Insel Rügen und klopften an eine kleine, unscheinbare Fischerkate. Die Tür öffnete sich und der unfehlbare und umwerfend gutaussehende Aufzugstechniker Stephan Goldammer öffnete. "Was wollt ihr?" - "Die Antwort auf die große Frage!" - "Lasst mich überlegen." - "Wie lange?" - "7..." - "Was? 7 Tage?" - "Nein, 7... Millionen Jahre!" Allen klappte die Kinnlade herunter. Stephan Goldammer, ein unbekannter, kleiner Mann mit einem großen Herz und noch größerem Gehirn, schloss daraufhin endgültig und unwiderruflich die Tür seiner Fischerkate und begann, über die große Frage nachzudenken...

Influencer Robbe Mirko Stehmann hielt es nicht mehr aus. "Ich muss sofort mit dem Wal sprechen!" Tatsächlich klappte es. Und die Antwort des Wals war unfassbar: "Klick, Klack, Klack, Klick" (übersetzt: "Mit sitzt ein Furz quer!"). Das war es also. Nur ein quersitzender Furz! Der Wal war nämlich ein schüchterner Furzklemmer, der öffentlich keinen ablassen wollte. Und so gingen alle glücklich und zufrieden nach Hause, der Wal knöterte mal ordentlich einen ab und in der Fischerkate lief immer noch das 7-Millionen-Jahre Denkprogramm...

Ruhe in Frieden

Nachruf, geschrieben von Stephan Goldammer


Wenn ihr auch so einen tollen Nachruf haben wollt, müsst ihr nur:

1. Versterben
2. Einen Kommentar auf meiner Website schreiben


[Hinweis: Der Autor sollte eigentlich lernen, für seine Kfz-Meisterschule in Augsburg. Aber natürlich schreibt er lieber Artikel...]


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